Entsteht feminines/maskulines Verhalten unabhängig vom biologischem Körper (= kulturell erlernt)?
Hallo &
Herzlich Willkommen
Ausgangspunkt für diesen Blog ist die Frage, auch wenn sie vorerst Unmut verursachen mag, weil banal klingend: Warum sind Frauen Frauen und Männer Männer?
Zu bemerken ist, daß man sich mit dieser Fragestellung insgesamt vier Erkenntnisgegenstände einhandelt: zweimal Frauen und zweimal Männer, und es ist entscheidend festzustellen, daß die Begriffe zwar jeweils gleich aussehen und klingen, jedoch verschiedenes meinen: die Unterscheidung von sex und gender nämlich.
Mit der These der sex/gender-Differenz ergibt sich die Einsicht, daß weder die Begriffe Mann und männlich ausschließlich den Körper eines Mannes bezeichnen können, noch die Begriffe Frau und weiblich den einer Frau. Der Begriff des biologischen Geschlechts, sex (S), ist zunächst unproblematisch. Dafür treten bei der Benennung eines dazugehörigen gender erste und ernsthafte Unsicherheiten auf: Denn in dem Maße, wie die Kopplungen von female (f1) und male (m1) an sex (S) eindeutig und beständig sich zeigen, muß die Kopplung von female (f2) und/oder male (m2) an gender als vage hingenommen werden.
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AUF DIESEM HINTERGRUND STELLE ICH HIERMIT GESCHLECHTS-IDENTITÄT GENERELL ZUR DISKUSSION. MIT DER ZIELSETZUNG DURCH KRITISCHE REFLEKTIONEN DIE BASIS FÜR ERWEITERTE (UND MÖGLICHERWEISE BEFREIENDE) IDENTITÄTEN ZU SCHAFFEN.
Jeder konstruktive (oder fragende) Beitrag ist willkommen.
(Last Euch nicht von der Sprache abschrecken.
Jeder kann mitdiskutieren wie ihm der Schnabel gewachsen ist.).
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Bei all dem ist zu beachten, daß sex und gender nie unabhängig von einem Bewußtsein und einem Körper ihre binäre Konstruktion vollziehen. Es ist stets die Einheit eines Individuums, dem sex wie gender zu eigen sind, und das mittels ihrer zu jeder Zeit als sich selbst körperlich wirklich wird.
Carol Hagemann-White beschreibt wie folgt: "Weibliches Verhalten und der weibliche Sozialcharakter wurzeln in der Kenntnis des symbolischen Systems der Zweigeschlechtlichkeit [...]. Das, was 'weiblich' wäre, ist vertraut, nach Bedarf abrufbar, doch nicht identisch mit der Erfahrung des einzelnen Mädchens mit sich selbst, mit ihrem eigenen Bild von sich. Da aber die Verwirklichung einer eigenen, nichtangepaßten Identität in der Praxis riskant ist, [...] bleibt es eine ständige Möglichkeit der Entlastung, die herkömmliche Rolleneinteilung wieder anzunehemen."
Dieses symbolische System der Zweigeschlechlichkeit, gender binarity, ist das, was in sozialer Interaktion, d. h. in einer Gesellschaft, in Bezug auf sex kommuniziert wird. Es handelt sich um Erwartungshaltungen in einer Gesellschaft gegenüber einem Individuum aus dieser Gesellschaft, welches sein gender in einer für legitim gehaltenen Form veräußern darf und soll. Sollte es sich bei einer gegebenen Form der Veräußerung um eine nicht legitimierte oder ebensowenig erwünschte handeln, so ist das betroffene Individuum zu Korrekturen seiner Handhabung von gender angehalten, welcher Art diese auch immer sein mögen - von Anpassung bis innere Emigration.
bleibt wohl bis auf weiteres unbeantwortet. Wir können ja nicht wissen (oder experimentell herausfinden), wie sich unser Verhalten ohne biologische Körperlichkeit gestalten würde. Von daher bleiben uns nur interkulturelle Vergleiche, um zumindest einigen gesellschaftlichen Konstrukten von Geschlechteridentitäten auf die Spur zu kommen.
Aber selbst wenn, was hilft mir das in meiner konkreten Lebenspraxis als Mann, Ehepartner und Vater? Ich erwarte eher nicht, dass mir die Genderforschung hier wirklich brauchbare Impulse liefert - etwa auch in der Frage: Wie erziehen wir unser Töchterlein zur Frau?
Oder hieße das, sie von vorherein auf ein binäres Geschlecht zu reduzieren und ihr die Möglichkeit zu nehmen, ein wie auch immer geartetes drittes Geschlecht zu entwickeln?
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"unser Verhalten ohne biologische Körperlichkeit gestalten würde".
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War ja keine Rede von:
"ohne biologische Körperlichkeit".
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Da unser Verhalten sehr stark auf Identität basiert, hat die Gender-Identität somit Einfluss auf unser alltägliches Verhalten.
z.B.: soll/darf ich (z.B. als Mann) jetzt macho-artig agieren/reagieren oder nicht.
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Soll der Tochter eine damenhaftige Identität vermittelt werden (und wie stark) oder nicht.
Oder Ihr doch mehr das "maskuline" Verhalten der (Frauen-)Neuzeit vermitteln?
Das ist sowieso die Mutter prägender.
Inwieweit prioritiert die Mutter oben genannte Werte?
Etc.